Tanken & Kosten

Benzin bei 2.05 Franken: Warum Tanken in der Schweiz so teuer ist

14. September 2026 Redaktion Tankstopp 4 Min. Lesezeit
Auto wird an einer Tankstelle mit Benzin betankt
Tanken bleibt teuer: Hohe Beschaffungs- und Transportkosten belasten die Preise. Symbolbild: Tankstopp.

Bleifrei 95 kostet in der Schweiz laut TCS aktuell im Durchschnitt 2.05 Franken pro Liter. Hohe Rohölpreise, gestörte Transportwege, Niedrigwasser auf dem Rhein und der Ausfall der Raffinerie Cressier treffen derzeit gleichzeitig zusammen.

Autofahrerinnen und Autofahrer zahlen derzeit wieder deutlich mehr an der Zapfsäule. Der Touring Club Schweiz führt Bleifrei 95 aktuell mit durchschnittlich 2.05 Franken pro Liter, Bleifrei 98 mit 2.16 Franken und Diesel mit 2.30 Franken. Anfang Januar kostete Bleifrei 95 im Durchschnitt noch 1.65 Franken. Der Preis ist damit innerhalb des Jahres um 40 Rappen pro Liter gestiegen.

Der Ölpreis ist wieder stark gestiegen

Ein wesentlicher Grund liegt auf dem internationalen Ölmarkt. Am 11. September kostete ein Fass der Nordseesorte Brent laut SRF rund 109 US-Dollar und damit so viel wie seit Mai nicht mehr. Die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten belasten wichtige Schifffahrtsrouten. Besonders die Strasse von Hormus ist für den weltweiten Ölhandel zentral, gleichzeitig ist auch die Route durch das Rote Meer beeinträchtigt.

Für die Schweiz schlagen solche Entwicklungen direkt auf die Beschaffungskosten durch. Der Endpreis an der Tankstelle hängt nicht nur vom Rohölpreis ab, sondern auch von den Preisen für fertige Treibstoffe auf den internationalen Märkten, vom Dollar-Franken-Kurs sowie von Transport- und Raffineriekosten.

Niedrigwasser macht den Transport über den Rhein teurer

Hinzu kommt ein Problem, das die Schweiz besonders stark trifft: der tiefe Wasserstand des Rheins. Ein grosser Teil der Mineralölprodukte gelangt per Schiff ins Land. Bei Niedrigwasser können die Schiffe weniger laden. Für dieselbe Menge Treibstoff sind deshalb mehr Fahrten nötig, was die Fracht verteuert.

Die Wirtschaftliche Landesversorgung bezeichnet die Transportkapazitäten auf dem Rhein seit mehreren Wochen als stark eingeschränkt. Zusätzliche Lieferungen per Bahn und über die Mineralölpipeline von Frankreich nach Genf können die fehlenden Mengen nicht kurzfristig vollständig ersetzen.

Ausfall der Raffinerie Cressier verschärft die Situation

Anfang September kam ein weiterer Belastungsfaktor hinzu. Die Raffinerie Cressier im Kanton Neuenburg musste wegen eines technischen Defekts ihre Produktion vorübergehend einstellen. Sie ist die einzige Erdölraffinerie der Schweiz und deckt nach Angaben des Bundes etwas mehr als 30 Prozent des Schweizer Bedarfs an Mineralölprodukten.

Der Produktionsunterbruch trifft damit ausgerechnet auf eine Phase, in der der Import über den Rhein bereits erschwert ist. Der Bund hat deshalb vom 8. bis 20. September Bezüge aus den Pflichtlagern bewilligt. Freigegeben wurden bis zu 30’000 Kubikmeter Benzin und 30’000 Kubikmeter Diesel. Die Versorgung ist laut Wirtschaftlicher Landesversorgung weiterhin sichergestellt.

Pflichtlager verhindern Engpässe, machen Benzin aber nicht billig

Die Freigabe der Pflichtlager bedeutet nicht, dass der Staat günstigen Treibstoff an die Tankstellen liefert. Die zusätzlichen Mengen dienen in erster Linie dazu, Versorgungslücken zu überbrücken. Der Marktpreis wird weiterhin von den aktuellen Beschaffungs-, Transport- und Vertriebskosten bestimmt.

Für Autofahrer ist deshalb wichtig: Die Schweiz hat derzeit kein generelles Versorgungsproblem an den Tankstellen. Der hohe Preis ist vor allem das Resultat mehrerer gleichzeitig wirkender Kostenfaktoren.

Steuern und Abgaben bleiben ein grosser fixer Bestandteil

Unabhängig von der aktuellen Krise besteht ein beträchtlicher Teil des Benzinpreises aus Steuern und Abgaben. Allein die Mineralölsteuer auf Benzin beträgt gemäss Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit 76.82 Rappen pro Liter. Dazu kommen weitere Bestandteile wie Mehrwertsteuer, Kosten für Vertrieb und Lagerung sowie die gesetzlich vorgesehene CO2-Kompensation.

Diese Abgaben erklären den jüngsten Preissprung nicht. Sie sorgen aber dafür, dass der Preis bereits eine hohe feste Basis hat, bevor Veränderungen bei Rohöl und Transport dazukommen.

Was bedeutet das für eine Tankfüllung?

Bei einem 50-Liter-Tank kostet eine vollständige Füllung mit Bleifrei 95 zum aktuellen Durchschnittspreis von 2.05 Franken rund 102.50 Franken. Zum Jahresbeginn wären es bei 1.65 Franken pro Liter rund 82.50 Franken gewesen. Das sind 20 Franken Unterschied pro Tankfüllung.

Gerade bei diesem Preisniveau lohnt es sich, die Tankstellen in der Umgebung zu vergleichen. Schon fünf Rappen Unterschied pro Liter machen bei 50 Litern 2.50 Franken aus. Für einen kleinen Preisvorteil grosse Umwege zu fahren, lohnt sich dagegen meist nicht, weil der zusätzliche Verbrauch die Ersparnis wieder reduziert.

Wann könnte Benzin wieder günstiger werden?

Eine verlässliche kurzfristige Prognose ist derzeit schwierig. Entspannung wäre vor allem dann möglich, wenn der Rohölpreis sinkt, die internationalen Transportwege wieder störungsfreier funktionieren, sich der Rheinpegel erholt und die Raffinerie Cressier wieder normal produziert. Solange mehrere dieser Faktoren gleichzeitig belasten, können die Preise an Schweizer Tankstellen hoch bleiben oder stärker schwanken.