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Luxusautomarkt 2026: Premium unter Druck – Exklusivität und Hybridisierung gewinnen

17. September 2026 Redaktion Tankstopp 7 Min. Lesezeit
Mehrere hochwertige Limousinen, SUV und Sportwagen an einer Schweizer Seepromenade bei Abendlicht.
Der Luxus- und Premiumautomarkt verändert sich 2026 deutlich: Elektrifizierung, SUV und Exklusivität bestimmen die Entwicklung. Symbolbild: Tankstopp.

Der Schweizer Neuwagenmarkt liegt 2026 leicht über Vorjahr – doch bei Luxus- und Premiummarken geht die Entwicklung weit auseinander. Mercedes-Benz wächst, BMW und Audi verlieren Volumen, Porsche steht unter Druck. Ferrari und Lamborghini zeigen dagegen, warum im Ultra-Luxus weniger Autos trotzdem mehr Umsatz bedeuten können.

Der Luxusautomarkt zeigt 2026 zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Im klassischen Premiumsegment kämpfen BMW, Mercedes-Benz, Audi und Porsche um Volumen, Marktanteile und den richtigen Antriebsmix. Ganz oben bei Ferrari oder Lamborghini funktioniert das Geschäft dagegen zunehmend nach einer anderen Logik: weniger Stückzahlen sind nicht automatisch schlecht, solange Modellmix, Exklusivität und Personalisierung die Erlöse tragen.

Für die Schweiz ist das besonders interessant. Der gesamte Neuwagenmarkt in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein kam von Januar bis Ende August 2026 auf 151’589 Neuimmatrikulationen und lag damit 1,8 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Doch innerhalb der Premium- und Luxusmarken ist die Entwicklung sehr unterschiedlich.

Wichtig: «Luxusmarkt» ist keine offizielle Zulassungskategorie

Die Schweizer Zulassungsstatistik kennt keine feste Kategorie «Luxusauto». Deshalb muss man sauber unterscheiden. BMW, Mercedes-Benz und Audi bilden den grossen Premiumblock. Porsche liegt darüber, ist aber volumenmässig noch deutlich grösser als klassische Supersportwagenmarken. Ferrari, Lamborghini, Bentley, Aston Martin oder Rolls-Royce gehören dagegen zum Ultra-Luxus- und Exklusivsegment.

Genau diese Trennung erklärt, warum 2026 nicht mit einem einzigen Satz zusammengefasst werden kann. Der Markt wächst nicht einfach oder schrumpft einfach – er verschiebt sich.

Schweiz 2026: Mercedes wächst, BMW und Audi verlieren Volumen

Marke Jan.–Aug. 2026 Veränderung zum Vorjahr
BMW 12’461 -12,8 %
Mercedes-Benz 12’088 +1,9 %
Audi 10’158 -7,3 %
Porsche 2’933 -9,4 %
Ferrari 369 -1,1 %
Lamborghini 161 -37,6 %

BMW bleibt nach acht Monaten knapp vor Mercedes-Benz, der Abstand beträgt aber nur noch 373 Fahrzeuge. Mercedes-Benz entwickelte sich gegen den Trend der beiden deutschen Hauptkonkurrenten positiv. Audi liegt deutlich unter Vorjahr. Porsche verliert ebenfalls Volumen, während Ferrari in der Schweiz praktisch auf Vorjahresniveau liegt. Lamborghini verzeichnet dagegen einen deutlichen Rückgang.

Zusammen kommen BMW, Mercedes-Benz und Audi von Januar bis August auf 34’707 Neuzulassungen. Das entspricht rund 22,9 Prozent des gesamten Schweizer Neuwagenmarkts. Premium ist in der Schweiz also weiterhin ein sehr grosser Marktblock – trotz der Rückgänge einzelner Marken.

Mehrere hochwertige Fahrzeuge vor einem modernen Autohaus bei Nacht.
Im grossen Premiumsegment kämpfen die Marken um Marktanteile, Modellmix und attraktive Angebote. Symbolbild: Tankstopp.

Der eigentliche Wachstumsmotor heisst Elektrifizierung

Besonders deutlich wird die Veränderung beim Blick auf Fahrzeuge mit Ladeanschluss. Von Januar bis August 2026 wurden in der Schweiz insgesamt 55’986 reine Elektroautos und Plug-in-Hybride neu immatrikuliert. Das sind 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Bei den grossen Premiummarken ist diese Entwicklung noch auffälliger. BMW kam auf 5’302 Neuzulassungen mit Ladeanschluss, Mercedes-Benz auf 4’008 und Audi auf 3’935. Während BMW gegenüber dem Vorjahr praktisch stabil blieb, legte Mercedes-Benz in diesem Bereich um rund 35 Prozent zu, Audi um rund 24 Prozent.

Das ist ein wichtiger Punkt: Auch wenn eine Premiummarke insgesamt weniger Fahrzeuge verkauft, kann ihr elektrifizierter Anteil gleichzeitig stark wachsen. 2026 ist deshalb weniger ein Jahr des generellen Luxusbooms als ein Jahr des Antriebswechsels innerhalb des Premiumsegments.

Luxuriöse Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge laden in einer hochwertigen Hotelgarage.
Elektroautos und Plug-in-Hybride gewinnen im Schweizer Premiumsegment deutlich an Bedeutung. Symbolbild: Tankstopp.

SUVs bleiben im Luxussegment die stärkste Währung

Die Nachfrage konzentriert sich weiterhin stark auf SUV und Crossover. In der Schweiz ist der Mercedes-Benz GLC 2026 sogar weit über das Premiumsegment hinaus ein Schwergewicht: Bis Ende August kam die Baureihe auf 3’090 Neuzulassungen und war im August mit 471 Einheiten das meistimmatrikulierte Modell des gesamten Markts.

Bei BMW führt der X3 die interne Modellrangliste an. Bei Porsche ist der Cayenne eine der tragenden Baureihen. Und selbst im Ultra-Luxussegment zeigt sich der SUV-Effekt: Bei Ferrari ist der Purosangue mit 109 Schweizer Neuzulassungen bis Ende August das stärkste Modell der Marke. Bei Lamborghini führt der Urus mit 76 Einheiten.

Der Grund ist nachvollziehbar: Hohe Sitzposition, Allrad, Platz und Alltagstauglichkeit passen gut zum Schweizer Markt. Im Luxussegment kommt dazu, dass SUV hohe Preise und umfangreiche Sonderausstattungen besonders gut tragen.

Global bremst China den Premiumsektor massiv

Die Schweizer Zahlen zeigen nur einen Teil des Bilds. Weltweit ist 2026 vor allem China zum Problem für viele traditionelle Premiummarken geworden. Die BMW Group lieferte im ersten Halbjahr weltweit rund 1,15 Millionen Fahrzeuge aus, 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Europa wuchs um 5,4 Prozent und die USA um 3,9 Prozent – gleichzeitig brach China um 20,4 Prozent ein.

Bei Audi sieht das Muster ähnlich aus. Die Marke lieferte im ersten Halbjahr weltweit 727’245 Fahrzeuge aus, gut 7 Prozent weniger als im Vorjahr. In Europa ausserhalb Deutschlands stiegen die Auslieferungen, China sank dagegen von 287’600 auf 232’227 Fahrzeuge.

Mercedes-Benz meldete für das zweite Quartal ebenfalls einen Rückgang von 30 Prozent in China. Gleichzeitig blieb der Anteil der besonders teuren «Top-End»-Modelle im ersten Halbjahr mit 14,3 Prozent im Zielkorridor des Konzerns.

Das zeigt: Die Nachfrage nach Luxus verschwindet nicht. Sie wird regional aber schwieriger, und die Hersteller müssen stärker darauf achten, wo sie verkaufen und welchen Mix sie verkaufen.

Porsche: weniger Autos, aber der 911 bleibt extrem stark

Porsche ist 2026 ein gutes Beispiel dafür, wie stark Produktwechsel und Modellzyklen die Zahlen verzerren können. Weltweit lieferte Porsche im ersten Halbjahr 122’306 Fahrzeuge aus – 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig legte der 911 um 19 Prozent zu und kam auf 30’534 Auslieferungen. Der Cayenne blieb mit 38’141 Einheiten die stärkste Baureihe. Besonders schwach entwickelte sich China mit einem Rückgang von 32 Prozent. Auch das Produktionsende des 718 mit Verbrennungsmotor und der verlangsamte Hochlauf der Elektromobilität spielten eine Rolle.

Für die Schweiz ergibt sich ein ähnliches, aber nicht identisches Bild: Porsche liegt bis Ende August 9,4 Prozent unter Vorjahr. Der 911 ist mit 1’214 Neuzulassungen dennoch die stärkste Porsche-Baureihe im Land.

Zwei hochwertige Sportwagen stehen vor einem Stadthotel auf regennasser Strasse.
Im Ultra-Luxussegment sind Exklusivität, Modellmix und begrenzte Stückzahlen wichtiger als reines Volumen. Symbolbild: Tankstopp.

Ferrari und Lamborghini zeigen, wie anders Ultra-Luxus funktioniert

Im Ultra-Luxussegment wird 2026 besonders sichtbar, dass Stückzahl allein wenig über die Geschäftslage aussagt. Ferrari lieferte im ersten Halbjahr weltweit 6’802 Fahrzeuge aus. Das waren rund 4 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die Nettoerlöse um rund 6 Prozent auf 3,786 Milliarden Euro.

Ferrari nennt dafür vor allem einen hochwertigeren Modellmix und einen stärkeren Beitrag aus Personalisierungen. Genau das ist typisch für echtes Ultra-Luxusgeschäft: Der Hersteller muss nicht zwingend mehr Autos bauen, wenn Kunden pro Fahrzeug mehr ausgeben.

Auch Lamborghini zeigt dieses Muster. Im ersten Halbjahr wurden 5’422 Fahrzeuge ausgeliefert, 4,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz stieg dennoch um 7,4 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro. Lamborghini selbst bezifferte den Rückgang des relevanten weltweiten Luxussegments auf 7,7 Prozent.

In der Schweiz ist die Entwicklung unterschiedlich: Ferrari blieb bis August mit 369 Neuzulassungen nahezu stabil. Lamborghini fiel auf 161 Fahrzeuge zurück. Gleichzeitig verändert sich die technische Basis radikal: Beim Lamborghini-Absatz in der Schweiz stammt der überwiegende Teil 2026 bereits aus Plug-in-Hybrid-Modellen wie Urus, Revuelto und Temerario.

Ein hochwertiger Sportwagen in einem Atelier mit Leder-, Holz- und Lackmustern für Individualisierungen.
Personalisierungen und teure Sonderausstattungen werden im Luxusgeschäft zu einem immer wichtigeren Ergebnistreiber. Symbolbild: Tankstopp.

Personalisierung wird wichtiger als reine Stückzahl

Je höher man im Preisniveau steigt, desto wichtiger werden Sonderlackierungen, Leder, Carbon, Individualprogramme und limitierte Versionen. Ferrari nennt die steigende Personalisierung ausdrücklich als Ergebnistreiber. Lamborghini verfolgt dieselbe Logik über Exklusivität und Markenwert. Mercedes-Benz stärkt parallel das Top-End-Geschäft mit S-Klasse, Maybach, G-Klasse und AMG.

Das verändert auch die Bedeutung klassischer Verkaufszahlen. Ein Hersteller kann zehn Prozent weniger Autos ausliefern und finanziell trotzdem stärker dastehen, wenn die durchschnittlichen Fahrzeugwerte und Margen steigen. Im Volumen-Premiumgeschäft von BMW, Mercedes-Benz und Audi funktioniert das nur teilweise – bei Ferrari oder Lamborghini ist es zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells.

Was bedeutet das für Käufer in der Schweiz?

Für Käufer ist 2026 ein interessanter Zeitpunkt. Im Premiumsegment steigt die Auswahl an Elektro- und Plug-in-Hybridmodellen stark. Gleichzeitig führen Modellwechsel und der Druck auf einzelne Marken dazu, dass Preisaktionen, Leasingangebote und junge Occasionen attraktiver werden können.

Bei teuren Elektroautos bleibt der Restwert ein wichtiger Punkt. Technische Entwicklung, Reichweite und Ladeleistung verändern sich schnell. Ein zwei- oder dreijähriges Premium-Elektroauto kann deshalb auf dem Occasionsmarkt erheblich günstiger sein als sein damaliger Neupreis. Das ist für Käufer interessant, für Erstbesitzer aber ein Wertverlustrisiko.

Bei klassischen Sport- und Sammlerfahrzeugen gilt fast das Gegenteil: Gefragte, limitierte oder stark individualisierte Modelle können sich weitgehend vom normalen Neuwagenmarkt entkoppeln. Hier entscheiden Produktionszahl, Historie, Ausstattung und Nachfrage stärker als der allgemeine Markttrend.

Fazit: Luxus verkauft sich 2026 – aber anders als früher

Der Luxusautomarkt 2026 ist nicht eingebrochen, aber er ist deutlich selektiver geworden. In der Schweiz wächst der Gesamtmarkt leicht, während BMW und Audi Volumen verlieren und Mercedes-Benz zulegt. Porsche liegt unter Vorjahr, Ferrari bleibt nahezu stabil und Lamborghini fällt deutlich zurück.

Gleichzeitig wächst die Elektrifizierung im Premiumsegment schnell. Weltweit belastet vor allem China die grossen Hersteller. Ganz oben im Ultra-Luxus zeigt sich dagegen eine andere Strategie: weniger Autos, höherer Wert pro Fahrzeug. Ferrari und Lamborghini beweisen 2026, dass Umsatzwachstum auch bei sinkenden Auslieferungen möglich ist.

Für die nächsten Monate wird deshalb weniger entscheidend sein, wer einfach die meisten Luxusautos verkauft. Spannender ist, wer die richtige Mischung aus SUV, Elektroantrieb, exklusiven Verbrennern, Hybridtechnik und Individualisierung findet.

Quellenbasis: auto-schweiz/ASTRA-MOFIS, BMW Group Switzerland, BMW Group, Mercedes-Benz Group, Audi, Porsche Newsroom, Automobili Lamborghini und Ferrari/SEC. Schweizer Zulassungsstand: 31. August 2026; internationale Unternehmenszahlen: erstes Halbjahr 2026.