Tanken & Kosten

Benzinpreis Schweiz bei 2.10 Franken: Warum Tanken so teuer ist und ob noch ein Anstieg droht

21. September 2026 Redaktion Tankstopp 5 Min. Lesezeit
Benzinpreis Schweiz bei 2.10 Franken: Warum Tanken so teuer ist und ob noch ein Anstieg droht

Am Montag, 21. September 2026, liegt Bleifrei 95 im jüngsten Schweizer TCS-Durchschnitt bei 2.10 Franken pro Liter, Diesel sogar bei 2.41 Franken. Hohe Öl- und Produktpreise treffen auf extreme Rhein-Niedrigwasserprobleme und die Nachwirkungen des Raffinerieausfalls in Cressier. Gleichzeitig gibt es am Montag erste Entlastungssignale am Ölmarkt.

Die Treibstoffpreise in der Schweiz bleiben zum Wochenstart aussergewöhnlich hoch. Am Montagmorgen, 21. September 2026, führt der TCS weiterhin den seit 17. September gültigen Schweizer Durchschnitt von 2.10 Franken pro Liter Bleifrei 95, 2.21 Franken für Bleifrei 98 und 2.41 Franken für Diesel. Einen neueren landesweiten Durchschnitt hat der TCS am Montagmorgen noch nicht publiziert; die Preise an einzelnen Tankstellen können davon deutlich abweichen.

So teuer ist Tanken aktuell

Treibstoff Aktueller TCS-Durchschnitt 1. Januar 2026 Veränderung
Bleifrei 95 CHF 2.10/L CHF 1.65/L +27%
Bleifrei 98 CHF 2.21/L CHF 1.75/L +26%
Diesel CHF 2.41/L CHF 1.78/L +35%

Besonders deutlich ist der Anstieg seit dem Sommer. Bleifrei 95 kostete am 10. Juli im Schweizer Durchschnitt noch 1.84 Franken. Mitte September waren es 2.10 Franken. Diesel verteuerte sich im gleichen Zeitraum von 2.00 auf 2.41 Franken pro Liter.

Warum ist Benzin in der Schweiz derzeit so teuer?

Der aktuelle Preisschub hat nicht nur einen Grund. Mehrere Faktoren treffen gleichzeitig zusammen: ein weiterhin hoher internationaler Ölpreis, teure Produktpreise für Benzin und Diesel, Probleme bei den Transportwegen in die Schweiz und zuletzt auch der vorübergehende Ausfall der einzigen Schweizer Raffinerie.

1. Rohöl bleibt trotz Rückgang teuer

Am Montagmorgen fiel der Brent-Ölpreis zwar um rund zwei Prozent und lag im frühen Handel bei ungefähr 102 US-Dollar pro Fass. Das ist ein Entlastungssignal, aber noch immer ein hohes Niveau. Der Markt reagiert weiterhin empfindlich auf den Krieg zwischen den USA und Iran, Angriffe auf Energieinfrastruktur im Nahen Osten und Unsicherheiten bei den Exportwegen. Schon kleine Veränderungen bei der erwarteten Versorgung schlagen deshalb rasch auf die Preise für Benzin und Dieselprodukte in Europa durch.

Für die Schweiz ist dabei nicht nur der Rohölpreis entscheidend. Wichtig ist vor allem der Preis der fertigen Produkte am europäischen ARA-Markt rund um Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen. An diesem Markt orientieren sich die Importeure.

2. Das Niedrigwasser am Rhein verteuert die Importe

Die Schweiz bezieht einen grossen Teil ihrer Mineralölprodukte über den Rhein. Genau dort liegt derzeit ein zweites Problem. Nach Angaben der Wirtschaftlichen Landesversorgung sind die Rheinpegel so tief, dass die Transportkapazitäten stark eingeschränkt sind. Über Maxau können Schiffe derzeit nur noch mit maximal rund 400 Tonnen fahren. Für eine Transportmenge, die unter normalen Bedingungen ein Schiff bringen würde, werden damit ungefähr fünf Schiffe benötigt.

Das erhöht die Frachtkosten und erschwert zusätzliche Lieferungen. Bahn, Strasse und Pipeline können einen Teil auffangen, aber nicht beliebig viel. Gerade für die Schweiz ist dieser Logistikfaktor deshalb momentan besonders wichtig.

3. Die Raffinerie Cressier fiel Anfang September aus

Zusätzlich musste die Raffinerie in Cressier NE Anfang September wegen eines technischen Defekts vorübergehend heruntergefahren werden. Sie deckt normalerweise etwas mehr als 30 Prozent des Schweizer Bedarfs an Mineralölprodukten. Inzwischen konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Der Ausfall traf aber genau in eine Phase, in der die Rheintransporte bereits stark eingeschränkt waren.

Benzinpreis Schweiz bei 2.10 Franken: Warum Tanken so teuer ist und ob noch ein Anstieg droht

Der Bund bewilligte deshalb für den Zeitraum vom 8. bis 20. September begrenzte Bezüge aus den Pflichtlagern: bis zu 30’000 Kubikmeter Benzin und 30’000 Kubikmeter Diesel. Die Versorgung blieb damit sichergestellt.

4. Steuern machen einen grossen Teil des Preises aus – sind aber nicht der Auslöser des jüngsten Sprungs

Beim Schweizer Benzinpreis sind rund 77 Rappen pro Liter fixe Mineralölabgaben und Importabgaben enthalten. Hinzu kommt die Mehrwertsteuer. Damit sind staatliche Abgaben ein grosser Teil des Endpreises. Sie erklären aber nicht, warum der Liter seit dem Sommer plötzlich deutlich teurer geworden ist: Die jüngste Bewegung kommt vor allem von den Beschaffungs-, Produkt- und Transportkosten.

5. Diesel ist besonders teuer

Diesel liegt mit 2.41 Franken pro Liter derzeit deutlich über Benzin. Der TCS verweist darauf, dass Diesel international breiter eingesetzt wird und eng mit Heizöl verwandt ist. Güterverkehr, Bau, Industrie und Heizöl-Nachfrage beeinflussen den Markt zusätzlich. Steigt die Nachfrage nach Destillaten oder wird die Versorgung knapp, kann Diesel deshalb stärker reagieren als Benzin.

Droht jetzt noch ein weiterer Anstieg?

Ein weiterer Anstieg ist möglich, aber am Montagmorgen nicht zwangsläufig. Es gibt gleichzeitig belastende und entlastende Signale.

Für Entlastung spricht, dass Brent am Montag deutlich nachgegeben hat und die saudischen Exporte teilweise wieder zunehmen. Auch Cressier produziert wieder. Bleibt der Ölpreis stabil oder fällt weiter, könnten sich die Schweizer Zapfsäulenpreise in den kommenden Tagen zumindest stabilisieren.

Das Risiko bleibt aber hoch. Drei Faktoren könnten die Preise erneut nach oben drücken:

  • neue Eskalation im Nahen Osten: Angriffe auf Exportanlagen oder wichtige Schifffahrtsrouten könnten den Ölpreis rasch wieder steigen lassen;
  • anhaltendes Rhein-Niedrigwasser: Bleiben die Frachtraten hoch und die Transportmengen klein, bleibt die Schweiz bei den Importkosten unter Druck;
  • höhere europäische Produktpreise: Selbst wenn Rohöl nicht stark steigt, können knappe Raffineriekapazitäten oder hohe Nachfrage Benzin und Diesel verteuern.

Der TCS weist zudem darauf hin, dass Tankstellenpreise in angespannten Marktphasen rasch angepasst werden können. Die Unternehmen orientieren sich am Wiederbeschaffungswert. Deshalb können sich internationale Marktbewegungen innerhalb weniger Tage an der Zapfsäule zeigen.

Benzinpreis Schweiz bei 2.10 Franken: Warum Tanken so teuer ist und ob noch ein Anstieg droht

Was Autofahrer jetzt konkret tun können

Bei einem Preisniveau von über zwei Franken lohnt sich der Vergleich stärker als sonst. Schon 10 Rappen Unterschied pro Liter entsprechen bei einer 50-Liter-Tankfüllung fünf Franken. Wer nicht auf eine bestimmte Tankstelle angewiesen ist, sollte Preise in der näheren Umgebung vergleichen und grosse Umwege vermeiden.

Tankstopp-Nutzer können dafür die Funktion Günstig tanken verwenden und Tankstellen in der Umgebung vergleichen. Gerade in Phasen mit schnellen Preisbewegungen kann sich der Abstand zwischen einzelnen Stationen deutlich vergrössern.

Fazit

Der Schweizer Benzinpreis ist zum Wochenstart auf hohem Niveau: Bleifrei 95 liegt im jüngsten TCS-Durchschnitt bei 2.10 Franken, Diesel sogar bei 2.41 Franken. Hauptgründe sind hohe internationale Produktpreise, die Folgen der Nahostkrise, extrem eingeschränkte Rheintransporte und die Nachwirkungen des Raffinerieausfalls in Cressier.

Für einen unmittelbar bevorstehenden neuen Preissprung gibt es am Montagmorgen noch kein klares Signal: Der Ölpreis ist sogar gefallen. Solange der Rhein aber Niedrigwasser führt und die geopolitische Lage unsicher bleibt, ist eine schnelle Entspannung ebenfalls nicht garantiert.

Quellen: Touring Club Schweiz (TCS), Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, Avenergy Suisse sowie aktuelle Reuters-Marktdaten vom 21. September 2026.

Bildhinweis: Die Bildstrecke verwendet redaktionelle Symbolbilder ohne Preisangaben. Sie illustriert Tanken und Treibstofflogistik und zeigt keine konkrete Tankstelle oder aktuelle Preisanschrift.