Reifen richtig wählen: Winterreifen, Profiltiefe und Ganzjahresreifen einfach erklärt
Profiltiefe, Reifendruck, Alter und Gummimischung entscheiden über Sicherheit. Wir erklären, worauf Autofahrer bei Reifen achten müssen, was einen guten Winterreifen ausmacht und für wen Ganzjahresreifen 2026 tatsächlich sinnvoll sind.
Reifen sind die einzige Verbindung zwischen Auto und Strasse. Vier Aufstandsflächen, kaum grösser als einige Handflächen, müssen beim Bremsen, Beschleunigen und in Kurven sämtliche Kräfte übertragen. Darum ist die Frage nach dem richtigen Reifen keine Nebensache – besonders im Schweizer Winter.
Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen können heute technisch sehr gut sein. Sie sind aber für unterschiedliche Einsatzbereiche optimiert. Entscheidend ist deshalb nicht, welcher Reifentyp grundsätzlich «der beste» ist, sondern welcher Reifen zum Auto, zum Fahrprofil und zu den tatsächlichen Wetterbedingungen passt.
Das muss bei jedem Reifen stimmen
Bevor es um Sommer oder Winter geht, müssen die Grundlagen passen. Die zulässige Reifendimension, der Tragfähigkeitsindex und der Geschwindigkeitsindex richten sich nach Fahrzeug und Freigaben des Herstellers. Angaben wie 225/45 R18 95V sind nicht beliebig austauschbar.
Auch der Luftdruck ist entscheidend. Zu wenig Druck verschlechtert Fahrverhalten und Verbrauch und erhöht den Verschleiss. Bei schwerer Beladung muss der Druck nach den Vorgaben des Fahrzeugherstellers angepasst werden. Der TCS empfiehlt ausserdem, auf allen vier Rädern Reifen desselben Modells und Typs zu verwenden.

Profiltiefe: Gesetz und Sicherheit sind nicht dasselbe
In der Schweiz beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Personenwagenreifen 1,6 Millimeter. Diese Zahl ist aber nur die rechtliche Untergrenze. Der TCS und das Bundesamt für Strassen ASTRA empfehlen deutlich mehr: mindestens 3 Millimeter bei Sommerreifen und 4 Millimeter bei Winterreifen.
Der Grund ist einfach: Mit abnehmendem Profil werden Wasser, Matsch und Schnee schlechter verdrängt. Ein Reifen kann also rechtlich noch zulässig sein, obwohl seine Sicherheitsreserven bereits deutlich kleiner geworden sind.

Auch das Reifenalter zählt
Ein Reifen kann noch viel Profil haben und trotzdem schlecht geworden sein. Gummi altert, härtet aus und verliert vor allem bei Nässe an Leistungsfähigkeit. Das Herstellungsdatum steht in der DOT-Kennzeichnung: Die letzten vier Ziffern geben Kalenderwoche und Jahr an.
Der TCS empfiehlt, neu gekaufte Reifen möglichst nicht älter als drei Jahre sein zu lassen. Reifen, die älter als acht Jahre sind, sollten aus Sicherheitsgründen nicht mehr verwendet werden – selbst dann nicht, wenn das Profil noch ausreichend aussieht.
Was macht einen guten Winterreifen aus?
Winterreifen unterscheiden sich nicht nur durch ein gröberes Profil. Entscheidend sind die Gummimischung und die Lamellen. Die Mischung bleibt bei tiefen Temperaturen elastischer, während feine Lamellen zusätzliche Greifkanten bilden. Das verbessert Traktion, Bremsen und Seitenführung auf Schnee und Eis.
Für den Wintereinsatz sollte man auf das Three-Peak-Mountain-Snowflake-Symbol (3PMSF) achten – also Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Der TCS weist darauf hin, dass Ganzjahresreifen mit diesem Symbol in der Schweiz und in den EU-Staaten als Winterreifen anerkannt werden.

Gibt es in der Schweiz eine Winterreifenpflicht?
Eine generelle gesetzliche Winterreifenpflicht gibt es in der Schweiz nicht. Das bedeutet aber nicht, dass Sommerreifen bei Schnee problemlos wären. Das Fahrzeug muss jederzeit betriebssicher bleiben. Wer mit ungeeigneter Bereifung den Verkehr behindert oder einen Unfall verursacht, kann mit rechtlichen und versicherungsrechtlichen Folgen konfrontiert werden.
Das ASTRA empfiehlt Winterreifen klar und nennt als praktische Faustregel «von Oktober bis Ostern». Entscheidend bleibt jedoch das Wetter: In der Schweiz können im Mittelland milde Bedingungen herrschen, während wenige Kilometer weiter in höheren Lagen bereits Schnee liegt.
Warum 4 Millimeter im Winter so wichtig sind
Die gesetzlich zulässigen 1,6 Millimeter sind auf Schnee keine sinnvolle Zielmarke. Der TCS empfiehlt für Winterreifen mindestens 4 Millimeter. Mit weniger Profil nimmt die Fähigkeit ab, Schnee und Matsch aufzunehmen und wieder auszuräumen. Auch die Lamellen verlieren mit zunehmendem Verschleiss ihre Wirkung.
Wer regelmässig in Bergregionen fährt, sollte deshalb nicht warten, bis ein Winterreifen die gesetzliche Grenze erreicht. Gerade auf steilen Zufahrten, Passstrassen und bei starkem Schneefall können die letzten Millimeter den Unterschied ausmachen.
Sommerreifen im Winter und Winterreifen im Sommer?
Beides ist technisch möglich, aber sicherheitstechnisch keine gute Idee. Sommerreifen verhärten bei tiefen Temperaturen und besitzen nicht die für Schnee optimierten Lamellen. Winterreifen wiederum sind bei sommerlichen Temperaturen weicher. TCS-Tests zeigen, dass Winterreifen im Sommer auf trockener Fahrbahn deutlich längere Bremswege haben können.
Wer das ganze Jahr saisonal angepasste Reifen fährt, bekommt deshalb die grössten Reserven in den jeweiligen Extrembedingungen.

Wann sind Ganzjahresreifen wirklich die beste Lösung?
Ganzjahresreifen haben sich technisch stark weiterentwickelt. Der TCS testet sie inzwischen regelmässig; im Test 2026 wurden Trocken-, Nass-, Schnee- und Eisverhalten ebenso geprüft wie Verschleiss, Effizienz und Nachhaltigkeit. Trotzdem bleiben Ganzjahresreifen ein Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen.
Sehr sinnvoll können Ganzjahresreifen sein, wenn:
- das Auto eher wenige Kilometer pro Jahr fährt,
- der Einsatz überwiegend im Flachland oder in milden Regionen erfolgt,
- bei starkem Schneefall notfalls auf eine Fahrt verzichtet werden kann,
- keine regelmässigen Fahrten über verschneite Alpenpässe nötig sind,
- man ein kleines oder mittelgrosses Alltagsauto fährt und keine sportlichen Grenzbereiche sucht,
- man zwei saisonale Radsätze, Einlagerung und halbjährlichen Wechsel vermeiden möchte.

Wann sind Ganzjahresreifen nicht die beste Wahl?
Wer im Winter häufig in höhere Lagen fährt, Skiwochenenden plant, bei jedem Wetter zur Arbeit muss oder regelmässig mit viel Schnee und Eis konfrontiert ist, fährt mit einem guten Winterreifen meist sicherer. Das Gleiche gilt auf der anderen Seite für Vielfahrer, schwere und leistungsstarke Fahrzeuge oder Fahrer, die im Sommer viel Autobahn fahren: Ein guter Sommerreifen bietet bei Hitze und Nässe meist die grösseren Reserven.
Das heisst nicht, dass ein moderner Ganzjahresreifen schlecht ist. Es bedeutet nur: Je extremer der Einsatz, desto stärker lohnt sich der spezialisierte Saisonreifen.
Auch bei Ganzjahresreifen gilt die 4-Millimeter-Regel im Winter
Wer Ganzjahresreifen im Winter fährt, sollte sie nicht bis 1,6 Millimeter herunterfahren. Der TCS empfiehlt im Herbst für den Wintereinsatz mindestens 4 Millimeter Restprofil; im Frühjahr sollten für den Sommer noch mindestens 3 Millimeter vorhanden sein.
Das ist wichtig, weil ein Ganzjahresreifen seine Winteraufgabe nur erfüllen kann, wenn sein Profil und seine Lamellen noch ausreichend funktionieren.
Der einfachste Reifen-Check vor der Saison
- Profil messen: Winter mindestens 4 mm, Sommer mindestens 3 mm empfohlen.
- DOT kontrollieren: Alter der Reifen prüfen.
- Seitenwände ansehen: Risse, Beulen und Beschädigungen sind Warnzeichen.
- Ungleichmässigen Abrieb beachten: kann auf Achsgeometrie oder Fahrwerksprobleme hinweisen.
- Luftdruck prüfen: nach Herstellerangabe, bei Beladung entsprechend anpassen.
- Vier gleiche Reifen verwenden: möglichst gleiches Modell und gleicher Typ.
- Wintertauglichkeit prüfen: für Winter- und Ganzjahresreifen auf das 3PMSF-Symbol achten.
Was ist für Schweizer Autofahrer die beste Lösung?
Für Fahrer im Mittelland mit geringer Jahresfahrleistung können hochwertige Ganzjahresreifen eine sehr praktische und wirtschaftliche Lösung sein. Wer dagegen regelmässig im Glarnerland, Graubünden, Berner Oberland, Wallis oder anderen schneereichen Regionen unterwegs ist, sollte den Vorteil eines guten Winterreifens nicht unterschätzen.
Das Gleiche gilt im Sommer: Wer viele Kilometer fährt, oft Autobahn nutzt oder mit einem schweren SUV unterwegs ist, profitiert stärker von einem echten Sommerreifen.
Tankstopp-Fazit: Ganzjahresreifen sind heute keine Notlösung mehr, aber auch kein automatischer Ersatz für zwei spezialisierte Reifensätze. Für mildes Klima, wenig Kilometer und flexible Fahrer können sie ideal sein. Für regelmässigen Schnee, hohe Laufleistungen und grosse Sicherheitsreserven bleiben gute Sommer- und Winterreifen die überzeugendere Lösung.
Quellenbasis: Bundesamt für Strassen ASTRA sowie Touring Club Schweiz (TCS), Reifen-Ratgeber, Winterreifen- und Ganzjahresreifentest 2026. Stand 19. September 2026.